Dossiers > René Graf – Die «europäische Hochschule» UNITA – Universitas Montium

Details:

  • 22nd June 2022 - 17:49 UTC
Fragen an...

René Graf – Die «europäische Hochschule» UNITA – Universitas Montium

1. Was ist die UNITA – Universitas Montium?

UNITA ist ein Zusammenschluss europäischer Universitäten aus Italien, Frankreich, Portugal, Spanien, Rumänien, der Ukraine und der Schweiz. Sie teilen gemeinsame Werte (lokaler Einfluss, Nähe zu Berggebieten und die romanischen Sprachen) und Schwerpunktthemen, wie zum Beispiel erneuerbare Energien, kulturelles Erbe und Kreislaufwirtschaft.

2. Wie unterscheidet sich UNITA von anderen europäischen Bildungs- und Forschungsprogrammen?

Das Programm «Europäische Universität» hat das Potenzial, den europäischen Hochschulraum grundlegend zu verändern. In gewisser Weise handelt es sich um eine neue Universität, welcher sich bestehende Einrichtungen anschliessen, um Aktivitäten sowohl im Bereich der Lehre als auch der Forschung zu entwickeln. Sozusagen ein Brutkasten für gemeinsame Projekte der Partneruniversitäten. Längerfristig können Universitätsallianzen gemeinsam Projekte einreichen und Studiengänge anbieten.

3. Welche Chancen bietet ein solches Programm der HES-SO (Haute école spécialisée de Suisse occidentale), insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass sie nicht an den europäischen Programmen Horizon Europe und Erasmus+ teilnehmen kann?

Der HES-SO geht es in erster Linie darum, die Türe der europäischen Zusammenarbeit offen zu halten. Bildlich gesprochen könnte man sagen, dass die europäischen Universitäten in einem TGV sitzen, während wir es noch nicht einmal auf die S-Bahn geschafft haben. Die Nichtteilnahme an europäischen Programmen trifft die Schweizer Hochschulen stark. Es ist  deshalb wichtig, dass wir den Kontakt zu unseren europäischen Kolleg:innen aufrechterhalten, um nicht gänzlich vom Aufbau des europäischen Hochschulraums ausgeschlossen zu werden. Die Schweiz hat den Aufbau dieses Raums von Anfang an unterstützt, hindert sich heute aber selbst an einer aktiven Teilnahme.

4. Als gemeinsames Merkmal haben die Mitglieder der UNITA ihre geografische Lage: ländlich, gebirgig und in Grenznähe. Weshalb spielt das eine Rolle bei der Zusammenarbeit?

Es ist eher eine Frage der Gesinnung und der gemeinsamen Werte. Mit Ausnahme der Universität Turin handelt es sich um mittelgrosse Institutionen (15’000 – 25’000 Studierende), die durch ihre Verbindungen zu den lokalen Behörden und sozialwirtschaftlichen Kreisen einen starken lokalen Einfluss haben. Zudem zwingt uns die Grenzfrage, die Formen der Zusammenarbeit jenseits der Mobilität zu überdenken und innovativere Lösungen zu finden.

5. Die HES-SO ist assoziiertes Mitglied der UNITA. Worin besteht der Unterschied zu einer vollwertigen Mitgliedschaft? Strebt die HES-SO eine solche an?

Der Unterschied besteht darin, dass wir zwar an UNITA-Aktivitäten teilnehmen, dort aber eine aktive Beobachterrolle einnehmen und keine EU-Mittel erhalten. Wir sind unseren UNITA-Partnern dankbar, dass sie uns aufgenommen haben. Dennoch strebt die HES-SO eine Mitgliedschaft an, um ihre Kompetenzen und ihr Know-how einbringen zu können. Wir hoffen also auf einen Beitritt als vollwertiges Mitglied, sobald es die Bedingungen erlauben.

23.06.2022

René Graf, Vizerektor Lehre der HES-SO